Von der Pforzheimer Oberbürgermeisterwahl hat die "Pforzheimer Zeitung" erstmals per Facebook-Livestream berichtet. Zwei PZ-Redakteure moderierten den Abend vor, während und nach der Ergebnisbekanntgabe im Pforzheimer Ratssaal. 80 Minuten lang waren die beiden Moderatoren mit dem PZ-Wahlstudio auf Sendung und analysierten sowohl den Wahlkampf als auch das Wahlergebnis. Zahlreiche Interviews mit den OB-Kandidaten und politischen Beobachtern rundeten die Liveübertragung ab. Die "Pforzheimer Zeitung" erzeugte mit diesem Format eine sehr hohe Aufmerksamkeit auf der Internetseite www.pz-news.de und auf dem Facebook-Account der "Pforzheimer Zeitung". Das Angebot erreichte laut Facebook mehr als 116000 Personen. Rund 21000 mal wurde das Video aufgerufen, was 4100 Kommentare, Reaktionen und geteilte Inhalte nach sich zog. In den Spitzenzeiten registrierte das Portal mehr als 1200 Besucher gleichzeitig auf dem Stream. Auch am Tag nach der Wahl wurde der künftige Oberbürgermeister Peter Boch in der Redaktion live auf Facebook interviewt.

Das «traurige Lied» der Verluste wollen die Verleger im Südwesten nicht mehr singen. Auf ihrer Jahresversammlung verbreiteten sie Zuversicht. Vor allem für die jungen Leser gibt es neue Pläne.

Ludwigsburg (dpa/lsw) – Auch als Antwort auf Lügenpresse-Vorwürfe von Populisten haben die Südwest-Verleger in Baden-Württemberg eine Imagekampagne für das Medium Zeitung beschlossen. Die Initiative mit dem Titel «Jedes Wort wert» soll helfen, das Ansehen der Presse zu verbessern – «gerade in einer Zeit, in der wir zunehmend Angriffen ausgesetzt sind», sagte der Präsident des Verbandes der Südwestdeutschen Zeitungsverleger (VSZV), Valdo Lehari jr., am Freitag in Ludwigsburg.

«Die Zeitung müsste spätestens jetzt erfunden werden», sagte Lehari jr. in einer Rede vor Verlegern und Politikern mit Blick auf Forderungen nach glaubwürdigen Informationen. Er äußerte sich optimistisch über die Lage auf dem Zeitungsmarkt. «Wir haben sehr gute Leistungswerte. Wir haben noch nie so viel Reichweite gehabt», sagte er. Sehr gut entwickele sich die Leserschaft vor allem bei den Jugendlichen, die digitale Angebote der Zeitungen vermehrt abrufen würden.

Angesichts von rückläufigen Auflagen bei den Zeitungen warnte der Geschäftsführer der Schwäbischen Zeitung, Kurt Sabathil, davor, immer nur das «traurige Lied der Verluste» zu singen. Sabathil sieht insgesamt mehr Akzeptanz bei Nutzern, für Inhalte im Internet auch zu bezahlen. «Das Bewusstsein ist stärker geworden», sagte er. Es sei ein «historischer Fehler» gewesen, Informationen in den Anfängen des Internets gratis zur Verfügung zu stellen.

Zugleich forderten die Verleger politische Unterstützung für das Pressewesen. Regierungssprecher Rudi Hoogvliet sagte bei der Versammlung, dass vor allem Kinder und Jugendliche stärker an das klassische Medium Zeitung herangeführt werden sollten. Der Verband setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, dass jede Schulklasse im Land ein Zeitungsabonnement erhält. Hoogvliet dämpfte aber die Erwartungen. «Das wäre, glaube ich, eine Überforderung», sagte Hoogvliet mit Blick auf etwa 52 000 Schulklassen. Trotzdem solle mehr als bisher getan werden.

Die Verleger plagen aber auch andere Sorgen – so zum Beispiel, dass sie auf dem Land wegen des Mindestlohns oft kaum noch Zusteller der Zeitungen finden. Ihre Kritik richtet sich auch dagegen, dass Kommunen zeitungsähnliche Amtsblätter herausgeben und so Anzeigen vom Werbemarkt abziehen.

Traditionell ist der Rückgang bei der Zeitungsauflage im Südwesten weniger stark als im Bundesdurchschnitt. Im vierten Quartal 2016 wurden täglich rund 1,8 Millionen regionale und lokale Abonnementzeitungen - inklusive ePaper - verkauft. Das war ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,14 Prozent.

Bundesweit lag dieser Wert bei knapp drei Prozent (2,98). In Deutschland nutzen nach Branchenangaben 85,5 Prozent oder 60 Millionen Menschen über 14 Jahre regelmäßig Nachrichten und Informationen aus Zeitungsprodukten. Rund zehn Millionen Menschen würden Zeitungen online lesen.

Der VSZV

Der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) wurde 1953 als landesweite Interessenvertretung der Tageszeitungen in Baden-Württemberg gegründet. Ihm gehören heute 53 von 56 baden-württembergischen Tageszeitungsverlagen an. Zu den Hauptaufgaben des Verbandes gehört die Wahrnehmung der gemeinsamen beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Zeitungsverleger in Baden-Württemberg, also die Beratung und Information der Mitglieder in verlegerischen Fragen. Der Verband nimmt die sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Interessen seiner Mitglieder wahr und ist berechtigt, Tarifverträge mit den Tarifpartnern abzuschließen.

Der VSZV ist einer der größten Landesverbände innerhalb des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), in dem elf Landesverbände zusammengeschlossen sind. In Baden-Württemberg sind die meisten Verlage ansässig, und auch auflagenmäßig steht das Land nach dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen und dem flächenmäßig größeren Bundesland Bayern an dritter Stelle. Die Zeitungsstruktur im Südwesten zeichnet sich in besonderer Weise durch Vielfalt und Ausgewogenheit aus; die Presselandschaft wird geprägt durch die mittelgroße Heimatzeitung und nicht wie in anderen Bundesländern durch Zeitungen mit hohen Auflagen. Zur Eigenständigkeit und Vielfalt beigetragen haben nicht zuletzt etliche Kooperationen. Dies sind Zusammenschlüsse von sog. Mantellieferanten und Lokalzeitungen, die ihrerseits den Mantel beziehen.