Chronik

Acht Monate nach Bildung des Landes Baden-Württemberg wurde am 24. Januar 1953 der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger e.V. als erste landesweite Interessenvertretung von 95 baden-württembergischen Tageszeitungsverlagen in Baden-Baden gegründet.

Der VSZV gehörte zusammen mit den kurze Zeit später gegründeten Zeitungsverlegerverbänden in Berlin und in Nordrhein-Westfalen zu den engagiertesten Vorkämpfern des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDZV), der dann am 15. Juli 1954 in Bad Godesberg ins Leben gerufen wurde. Im BDZV sind heute elf Landesverbände mit insgesamt 301 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 17,8 Millionen verkauften Exemplaren sowie 14 Wochenzeitungen mit über eine Million verkauften Exemplaren organisiert. Mit einer von ihm vertretenen Auflage von 1.784.553 verkauften Zeitungsexemplaren (IVW IV/2010) stellt der VSZV nach dem Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen e.V. und knapp hinter dem Verband Bayerischer Zeitungsverleger e.V. den drittgrößten Landesverband innerhalb des BDZV.

Struktur des VSZV

Die Zeitungsstruktur im Südwesten ist in besonderer Weise durch ihre Vielfalt und Ausgewogenheit geprägt. Dem VSZV gehören heute 53 von 56 selbständigen Tageszeitungsverlagen in Baden-Württemberg an. Im Vergleich zu anderen Bundesländern mit wenigen auflagenstarken Verlagen zeichnet sich die baden-württembergische Presselandschaft vornehmlich durch eine Vielzahl mittelgroßer Heimatzeitungen mit einer Auflage zwischen 10.000 und 25.000 Exemplaren aus.

Zur Eigenständigkeit und Vielfalt der baden-württembergischen Zeitungslandschaft beigetragen hat nicht zuletzt eine intensive partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Zeitungsverlagen in Form von gemeinsamen Druckzentren, Kooperationen im Online- und Zustellbereich, vor allem aber in Form von Redaktions- bzw. Anzeigengemeinschaften.

Von den 53 Mitgliedsverlagen haben 15 Zeitungen eine eigene Vollredaktion. Sechs dieser sog. „Publizistischen Einheiten“ liefern an insgesamt 36 Partnerverlage ihren „Mantel“.

Neben redaktionellen Kooperationen spielt auch die Zusammenarbeit auf dem Anzeigensektor eine besondere Rolle. Zur Verbesserung ihrer Position auf einem immer härter umkämpften inter- und intramedialen Werbemarkt haben sich die meisten Mitgliedsverlage in insgesamt zehn Anzeigengemeinschaften zusammengeschlossen.

Aufgaben des VSZV

So vielfältig wie die Strukturen sind auch die Aufgaben, denen sich der VSZV widmet. Nach der VSZV-Satzung zählen hierzu die Wahrnehmung der gemeinsamen beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Zeitungsverleger in Baden-Württemberg, ihre Beratung und Information in verlegerischen und rechtlichen Fragen sowie die Wahrnehmung ihrer sozial- und medienpolitischen Interessen.

Der VSZV ist berechtigt, Tarifverträge mit den Tarifpartnern abzuschließen. Dies geschieht auf Landesebene für Verlagsangestellte, während die Zuständigkeit für den Abschluss von Tarifverträgen für Redakteure auf den BDZV delegiert wird. Die vom BDZV ausgehandelten Tarifabschlüsse bedürfen vor ihrem In-Kraft-Treten der Zustimmung des VSZV und der übrigen Landesverbände. Als erster Landesverband des BDZV hat der VSZV seinen Mitgliedern durch Satzungsänderung am 25.10.2002 die Möglichkeit eröffnet, in Ausnahmefällen eine Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung zu wählen.

Gremien

Die Verbandsaufgaben werden innerhalb des VSZV vom Vorstand unter dem Vorsitz von Valdo Lehari jun., Geschäftsführer und Verleger des Reutlinger General-Anzeigers, von zwei Fachausschüssen, zwei Arbeitsgruppen und den sechs hauptamtlichen Mitarbeitern der VSZV-Geschäftsstelle wahrgenommen. Die stellvertretenden Vorsitzenden des VSZV sind Dr. Christine Bechtle-Kobarg, Verlegerin der Eßlinger Zeitung sowie Dr. Björn Jansen, Geschäftsführer des Mannheimer Morgen. Geschäftsführer des VSZV ist Rechtsanwalt Stephan Bourauel.

Schon kurz nach der Gründung des VSZV wurde 1953 als erster Fachausschuss der VSZV-Anzeigenausschuss eingerichtet. Ziel seiner Arbeit war und ist es, die wirtschafts- und medienpolitischen Rahmenbedingungen für das Anzeigengeschäft der Zeitungen zu verbessern. Hierzu zählt beispielsweise die Erstellung und fortlaufende Änderung von allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Anzeigenwesen, die Kontaktpflege zur werbetreibenden und werbemittelnden Wirtschaft, die Behandlung von Fragen zu neuen Werbeformen, zur Herausgabe von Amts- und Anzeigenblättern, kostenlosen Zeitungen, der Einführung von Werbeverboten oder Rabattfragen etc. Die Aufgabe des Gattungsmarketings wurde am 1.7.1997 auf die Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG) mit Sitz in Frankfurt a.M., einer Tochter des BDZV, übertragen.

Der Ausschuss umfasst 15 Mitglieder, von denen der Vorsitzende, Hans-Jörg Wilhelm, Verleger der Heidenheimer Zeitung/Heidenheimer Neue Presse, und ein weiteres Mitglied in den Anzeigenausschuss des BDZV berufen werden, um dort die Interessen der baden-württembergischen Zeitungsverlage zu vertreten. Einmal im Jahr treffen sich auf Einladung eines Mitgliedsverlages alle Anzeigenleiter zu einer gemeinsamen Tagung.

Der ebenfalls bereits im Gründungsjahr ins Leben gerufene VSZV-Vertriebsausschuss befasst sich mit allen grundsätzlichen Themen des Zeitungsvertriebs, insbesondere mit Fragen der Vertriebslogistik, der Vertriebsadministration, der Erarbeitung innerverbandlicher Vertriebsrichtlinien und der Behandlung rechtspolitischer Themen wie beispielsweise zuletzt den gesetzlichen Regelungen zur geringfügigen Beschäftigung.

Dem Vertriebsausschuss gehören 14 Mitglieder an. Wolfgang Poppen, Verleger der Badischen Zeitung, sitzt dem Ausschuss vor. Er und ein weiteres Mitglied vertreten die Vertriebsinteressen des VSZV im BDZV-Vertriebsausschuss. Auch die Vertriebsleiter treffen sich einmal jährlich zu einer gemeinsamen Vertriebsleitertagung.

Mit Blick auf die auch für Fachleute immer schwerer zu überschauende Regelungsdichte vor allem im Arbeits- und Sozialrecht wurde im Jahre 2001 der Arbeitskreis Recht und Sozialpolitik gegründet. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, ihren derzeit 14 Mitgliedern die Möglichkeit zu eröffnen, aktuelle arbeits- und sozialrechtliche Fragen zu erörtern, betriebliche Erfahrungen auf diesem Sektor untereinander auszutauschen sowie tarif- und rechtspolitische Entscheidungen für die VSZV-Führung vorzubereiten.

Nachdem bereits im Jahr 1995 unter dem Vorsitz von Dr. Richard Rebmann, Verleger der Stuttgarter Zeitung, der Stuttgarter Nachrichten und des Schwarzwälder Boten, die BDZV-Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren / Multimedia gegründet wurde, nahm sich der VSZV mit seinem im Jahre 2001 gegründeten Arbeitskreis Elektronische Pressearchive den Herausforderungen der mit der Digitalisierung der Zeitungsarchive verbundenen Fragestellungen an. Unter dem Vorsitz von Frau Hanna Klenk-Schubert, Archivarin der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten, werden von den 21 Mitgliedern u.a. die Möglichkeiten gemeinsamer Zeitungsarchive, Fragen der Umstellung der Zeitungsarchive von analoger auf digitale Technik und die daraus resultierenden urheberrechtlichen Problemstellungen erörtert.

Weitere Verbandsaktivitäten

Von erheblicher Bedeutung ist die Gremienarbeit nicht zuletzt für die Lobbyarbeit des Verbandes. Sie wird vornehmlich vom Vorstand und dem Geschäftsführer wahrgenommen. So ist es in jedem Gesetzgebungsverfahren unerlässlich, neben rechtlichen Gesichtspunkten auch Erfahrungswerte aus der Praxis in die schriftlichen Stellungnahmen des Verbandes aufzunehmen und sie gegenüber Politikern im Rahmen von Anhörungen oder persönlichen Gesprächen vorzutragen. Zu den wichtigsten Materien, mit denen sich der VSZV immer wieder auseinander zu setzen hat, zählen zweifelsohne das Landespressegesetz, das Landesmediengesetz und sämtliche die Verlagsbranche betreffenden Bundesgesetze, die – wie beispielsweise das Kartellrecht, die Regelungen zur geringfügigen Beschäftigung oder das Urhebervertragsrecht – im Bundesrat behandelt werden. Über seine haupt- und ehrenamtlichen Vertreter wirkt der VSZV auch unmittelbar an der Lobbyarbeit des BDZV auf Bundes- und Europaebene mit, der insgesamt etwa 60 Themen auf seiner Agenda zu verzeichnen hat.

Zur Erleichterung dieser Tätigkeit ist auch die Erfassung wirtschaftlicher Branchendaten von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Sie dient dem einzelnen VSZV-Mitglied nicht nur als Vergleichsmaßstab gegenüber anderen Zeitungsverlagen, sondern erleichtert es auch dem Verband, der Politik im Rahmen ihrer Gesetzgebungstätigkeit negative strukturelle bzw. betriebswirtschaftliche Veränderungen in der Zeitungsbranche zu verdeutlichen. Zu diesem Zweck erfasst die VSZV-Geschäftsstelle monatlich eine landesweite Anzeigen- und Beilagenstatistik, deren Ergebnisse wiederum zur Erstellung einer Bundesstatistik von der ZMG verwendet werden. Jährlich erstellt sie zudem eine Bezugspreisstatistik sowie eine Statistik über die in Baden-Württemberg beschäftigten Volontäre und Redakteure in Zeitungsverlagen. Für Letztere stellt die Geschäftsstelle des VSZV auch die Presseausweise aus.

Einen besonderen Stellenwert im Spektrum der Verbandsarbeit nimmt die rechtliche Beratung der Mitgliedsverlage ein. Parallel zu der Flut neuer Gesetze, Richtlinien und Verordnungen auf Landes-, Bundes- und Europaebene nahm in den vergangenen Jahren auch der Rechtsberatungsbedarf der VSZV-Mitglieder zu. Im Vordergrund stehen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts sowie die Beratung im Bereich des Medienrechts mit all seinen Ausprägungen, insbesondere den Bereichen des Presserechts, des Wettbewerbsrechts sowie des Urheber- und Verlagsrechts.

Einen weiteren wichtigen Baustein im Dienstleistungsangebot des VSZV bilden seine Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Als einziger Landesverband des BDZV betreibt der VSZV zusammen mit dem DJV Baden-Württemberg mit der Arbeitsgemeinschaft Journalistische Berufsbildung (JBB) eine eigene Aus- und Fortbildungseinrichtung für Volontäre und Journalisten.

Darüber hinaus organisiert der VSZV seit 1983 zusammen mit seinen Partnerverbänden, dem Südwestdeutschen Zeitschriftenverleger-Verband e.V. und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg e.V., Prüfungsvorbereitungsseminare für auszubildende Verlagskaufleute.

Seit 1999 bietet der VSZV zudem gemeinsam mit dem benachbarten Verband Bayerischer Zeitungsverleger e.V. für die kaufmännischen Verlagsmitarbeiter Fortbildungsveranstaltungen zu verlagsspezifischen rechts- und betriebswirtschaftlichen Themen an.

Es gehörte immer zu den Essentialia des VSZV, so eng wie möglich mit benachbarten Verbänden und Organisationen zusammen zu arbeiten. Dies dokumentiert sich auf Landesebene neben den genannten Aus- und Fortbildungskooperationen auch in der tarifpolitischen Zusammenarbeit mit dem Verband Druck und Medien Baden-Württemberg e.V. Inhaltlich vergleichbare Tarifverträge für die in den Verlagsunternehmen meist unter einem Dach zusammenarbeitenden Beschäftigten von Druckindustrie und Zeitungsverlagen sind im Interesse der Unternehmen. Gemeinsames Auftreten stärkte während der vergangenen Tarifkonflikte die strategische Position beider Verbände.

Rein sozialen Aspekten dient die Mitgliedschaft des VSZV im Sozialfonds der Landespresse Baden-Württemberg e.V. Dessen Ziel ist, bedürftige Journalisten mit Sach- und Geldmitteln zu unterstützen. Er finanziert sich fast ausschließlich aus den Erlösen des Landespresseballs, den der VSZV gemeinsam mit dem DJV Baden-Württemberg e.V. und der Landespressekonferenz seit 1960 organisiert.

Der VSZV vertritt darüber hinaus die Belange der baden-württembergischen Presse im Medienrat der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) und übt dieses Mandat auch im Auftrag seines Schwesterverbandes, des Südwestdeutschen Zeitschriftenverleger-Verbandes e.V., aus.

Er ist zudem Mitglied der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V.

Auf Bundesebene ist naturgemäß die Zusammenarbeit mit dem BDZV von herausragender Bedeutung. Der Landesverband hat die direkte Verbindung zu den einzelnen Mitgliedern, den Zeitungsverlagen. Manche Aufgaben können jedoch auf nationaler Ebene nur durch den hierfür ausgerichteten BDZV wahrgenommen werden. In den Gremien des BDZV wirkt der VSZV engagiert mit, dabei das Ziel nicht aus den Augen verlierend, dass die Entscheidungen des Bundesverbandes für die Verlage vor Ort stets nachvollziehbar sein müssen.

Zukünftige Verbandsarbeit

Viele Themen, die in den zurückliegenden fünfeinhalb Jahrzehnten die Gremien und die Geschäftsführung des Verbandes beschäftigt haben, werden auch in Zukunft im Brennpunkt der verbandlichen Aktivitäten stehen: die nach wie vor unbeantwortete Amtsblattfrage, die zunehmenden Forderungen nach Werbeverboten, die nicht verstummende Diskussion um eine Verschärfung des Medienkonzentrationsrechts oder die ausufernde Regulierung des Urheberrechts zum Nachteil der Verlage, um nur einige Beispiele zu nennen. Auf tarifpolitischer Seite steht die Auseinandersetzung mit den Mediengewerkschaften um den schon längst überfälligen strukturellen Umbau der Flächentarifverträge ganz oben auf der Agenda.