Journalist werden

Ein Patentrezept, Journalist zu werden, gibt es nicht. Der Zugang zu diesem Beruf ist in Deutschland grundsätzlich frei. Anders als bei kaufmännischen oder handwerklichen Berufen gibt es keinen festgeschriebenen Ausbildungsweg, und zwar aus gutem Grund: Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert die Freiheit der Presse und die Freiheit eines jeden, seine Meinung zu äußern. Deshalb darf der Staat nicht durch Ausbildungsordnungen vorschreiben, welchen Weg jemand nehmen muss, der in den Medien arbeiten will.

Das Volontariat ist der am häufigsten gewählte Weg in den Journalismus. Außerdem gibt es Ausbildungen bei journalistischen Bildungsinstituten oder die Möglichkeit, Studiengänge der Publizistik, Medien- oder Kommunikationswissenschaft zu belegen.

Aber ohne praktische Erfahrung hat heute kaum einer die Chance, ein Volontariat zu bekommen. Annähernd 80 Prozent der Berufseinsteiger haben die Redaktionen, in denen sie später ausgebildet werden, schon als freie Mitarbeiter kennen gelernt. Das ergaben Umfragen, die die Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) seit 1989 regelmäßig bei allen deutschen Tageszeitungen durchgeführt hat.

Rund 70 Prozent der Volontäre haben ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen, weniger als zehn Prozent haben vorher einen anderen Beruf erlernt: Verlags-, Industrie- oder Bankkaufleute waren sie; aber auch handwerkliche Berufe sind vertreten. Die übrigen haben ihr Studium abgebrochen, als die Aussicht auf den Volontariatsplatz bestand, nur ungefähr 15 Prozent der Jungjournalisten kommen direkt nach dem Abitur zur Zeitung.

Der Andrang auf die Medienberufe ist groß. Eine Regionalzeitung mittlerer Größe, die pro Jahr bis zu 600 Bewerbungen für zehn freie Volontärstellen bekommt, ist keine Seltenheit. Die Zeitungen legen (wie alle Medien) die Auswahlkriterien für die Flut von Bewerbungen selbst fest.

Medieneinsteigern für den Bereich Tageszeitungen ist zu raten, nach dem Abitur ein Praktikum bei einer Zeitung zu machen, um den journalistischen Alltag kennen zu lernen. Wer beurteilen will, ob ihm dieser Beruf Spaß macht, darf nicht nur auf seine Erfahrungen bei einer Schülerzeitung zurückgreifen.

Wer sich ganz sicher ist, journalistisch arbeiten zu wollen, hat die Qual der Wahl, welche Qualifikationswege er beschreiten soll. Nur noch wenige Verlage stellen Volontäre direkt nach dem Abitur ein. Also stehen Medieneinsteiger vor der Entscheidung: studieren oder zunächst eine andere Berufsausbildung beginnen?

Obwohl der Anteil derer, die eine kaufmännische oder handwerkliche Ausbildung abgeschlossen haben, bevor sie ein Volontariat beginnen, mit sieben Prozent nicht sehr groß ist, steht der Entscheidung, erst mal die Welt der Arbeit kennen zu lernen, nichts entgegen. Es gibt sogar Chefredakteure, die solche "Quer-Einsteiger" bevorzugt einstellen. Hier sollte sich jeder selbst fragen, ob er seine eher theoretischen Studien nach der Schule an einer Hochschule fortsetzen will, oder ob es ihn nach 13 Jahren Schulbank erst einmal in die Arbeitswelt drängt.

Die Wahl der Studienfächer ist für viele nicht leicht. Zu empfehlen ist auch dabei, sich ausführlich zu informieren. Viele Hochschulen bieten Abiturienten an, Vorlesungen zu besuchen, damit sie ein bisschen besser einschätzen können, was sie in diesem oder jenem Fach erwartet. Darüber hinaus ist es ratsam, sich Studienordnungen zu besorgen. Die meisten Fächer sind stark verwissenschaftlicht und stellen umfangreiche Anforderungen an die späteren Historiker, Germanisten oder Biologen. Ein mehrjähriges Studium erfordert mehr Durchhaltevermögen als die Wochenstunden des Lieblingsfachs in der Schule.

Abgesehen von der persönlichen Neigung, die man für eine Studienrichtung aufbringen sollte, gibt es keine Entscheidungskriterien für das beste Fach auf dem Weg zum Journalistenberuf. Geisteswissenschaftliche Studienabschlüsse sind genauso willkommen wie naturwissenschaftliche. Ob es sinnvoll ist, Journalistik, Publizistik oder Medienwissenschaften zu studieren, ist bei Praktikern äußerst umstritten. Im August 2009 hat der Ausbildungsredakteur der Süddeutschen Zeitung dazu sehr klar Stellung bezogen. Siehe „Detlef Esslinger: Journalistik, ein Leerfach“

Am wichtigsten ist jedoch, schon während des Studiums journalistisch am Ball zu bleiben, zum Beispiel durch freie Mitarbeit. Die Praxiserfahrung ist oft das bedeutendste Auswahlkriterium bei der Vergabe von Volontariatsplätzen.

Das Volontariat dauert in der Regel zwei Jahre. Seit 1990 gibt es einen Tarifvertrag über das Redaktionsvolontariat, der den Ablauf der Ausbildung in den Verlagen regelt. Der Vertrag sieht vor, dass die jungen Journalisten zunächst Einblick in die verschiedenen Bereiche des Verlages erhalten. Sie lernen die Anzeigenabteilung kennen, die Arbeit des Vertriebs und bekommen eine Einführung in das Presse- und Verlagsrecht, in optische Regeln des Zeitungmachens und andere Grundsätze des jeweiligen Verlags.

Laut Tarifvertrag bekommen die Volontäre zu Beginn ihrer eigentlichen Tätigkeit eine Aufstellung der einzelnen Ausbildungsstationen. Die meiste Zeit werden sie in verschiedenen Lokalredaktionen verbringen, um das Verbreitungsgebiet der Zeitung und möglichst viele Facetten der lokalen Berichterstattung kennen zu lernen. Für mindestens je zwei Monate besteht dann die Gelegenheit, in einem oder zwei so genannten "Mantelressorts" zu arbeiten: in der Nachrichten- oder Politikredaktion, im Wirtschafts-, Kultur- oder Sportressort.

Die praktische Arbeit wird durch ausbildungsbegleitende Schulungen ergänzt. Zum einen treffen sich die Nachwuchsredakteure mindestens einmal im Monat zu verlagsinternen Seminaren, zum anderen nehmen sie an "außerbetrieblichen Bildungsmaßnahmen" teil, die verschiedene Einrichtungen publizistischer Bildungsarbeit veranstalten, wie zum Beispiel die Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV). Sie gehört zu den größten Bildungsakademien dieser Art. In der ABZV sind alle journalistischen Seminarangebote zusammengefasst, die die Zeitungsverlegerverbände in Deutschland anbieten.

Ein Volontariat ist ein guter Weg für den Berufseinstieg, aber keine Garantie. In den neuziger Jahren sind viele Volontärstellen in Jungredakteurstellen umgewandelt worden. Die Stelleninhaber sind also relativ jung. Und die Fluktuation ist nicht hoch.

Betrachtet man die Struktur der journalistischen Arbeitsplätze bei Tageszeitungen, sind es vorwiegend Stellen in Lokalredaktionen, die zu vergeben sind. Es gibt weit über 1.500 Zeitungsausgaben in Städten aller Größenordnungen, aber auch in ländlichen Gegenden. Lokalredakteure berichten über alles, was die Leser ihrer Verbreitungsgebiete betrifft. So mancher sieht die negative Seite seiner Tätigkeit in Schützenfesten, Kaninchenzüchtern, Karneval und Laientheatern. Aber Lokalredakteure sind die "Allwetter-Reifen des Journalismus" und nirgendwo sonst ist die Nähe zum Leser größer – mit allen Vor- und Nachteilen.

Weiterführende Informationen unter www.abzv.de und unter www.vszv.de/berufsbildung