Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten veröffentlichten ab 3. November 2017 ein tägliches "Feinstaubradar". Das Feinstaubradar misst in rund 70 Gemeinden im Großraum Stuttgart permanent die Feinstaubbelastung – und gibt die Ergebnisse automatisiert in Form von lokalen Luftberichten sowie einer Livekarte aus. Damit soll nicht zuletzt die auf Grenzwertüberschreitungen am Stuttgarter Neckartorbeschränkte Diskussion geweitet werden und die Belastung der Atemluft aller Bürgerinnen und Bürger in der Region Stuttgart zu jeder beliebigen Tageszeit transparent gemacht werden.
 
Rund 300 Feinstaubsensoren der Open-Data-Initiative OK Lab Stuttgart sowie ein meteorologisches Modell von Kachelmannwetter schaffen die Datengrundlage für das Feinstaubradar. Die Messergebnisse werden permanent aufgezeichnet, bereinigt und zusammengefasst. Ausgespielt werden sie über eine selbst entwickelte Livekarte sowie lokale Luftberichte für die Stuttgarter Stadtbezirke, die Kreisstädte und Landkreise in der Region sowie die Städte Tübingen, Reutlingen und Heilbronn. Für diese Texte arbeitet die Redaktion mit dem Stuttgarter Dienstleister AX Semantics zusammen, der sich auf die automatisierte Textgenerierung spezialisiert hat. Die Texte werden entsprechend gekennzeichnet.

Auf den Websites von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten werden künftig immer morgens Berichte zur Luftvorschau sowie am Abend ein Rückblick auf die Feinstaubbelastung tagsüber erscheinen – eine Art erweiterter Wetterbericht in kleinteiliger räumlicher Auflösung. "Damit wollen wir zum einen schauen, wie sich die Zukunftstechnologie Roboterjournalismus in die redaktionellen Abläufe einfügt und zum anderen, wie solche Texte, die nah am Leser geschrieben sind, angenommen werden", sagen die Chefredakteure der beiden Blätter, Joachim Dorfs (Stuttgarter Zeitung) und Christoph Reisinger (Stuttgarter Nachrichten).
 
Für das Feinstaubradar hat ein interdisziplinäres Team aus Redaktion, Webentwicklung, IT und Grafik mehrere Wochen lang zusammengearbeitet. Nach dem Start soll es Stück für Stück ausgebaut werden. In einem nächsten Schritt fließen amtliche Messdaten der Landesanstalt für Umwelt
Baden-Württemberg mit ein und auf einer Veranstaltung (Hackathon) für interessierte Bürger, Bastler und Internetexperten soll nach weiteren Verwertungsmöglichkeiten für die Art von Texten gesucht werden. Außerdem hängt die Redaktion an strategischen Orten in der Region Stuttgart zehn selbst gebaute und am Weltkalibrierzentrum Tropos in Leipzig eingepegelte Feinstaubmessgeräte auf, um da zu messen, wo bisher noch nie gemessen wurde.